Spitzenergebnis in Wiesloch: 27,85 % | 8 Mandate | stärkste Kraft | großer Abstand zu CDU und SPD. Alle Fraktionsmitglieder sind wiedergewählt. Dazu gibt es zwei neue grüne Stadträt*innen: Marion Schmidt und Sebastian Sauter als Jüngster. Susanne Merkel-Grau ist Stimmenkönigin. Katharina Ebbecke,  Andreas Hecker und Klaus Bouchetob haben ihre Stimmenzahlen verdoppelt.  Dagegen deutliche Verluste für die große Koalition und Niedergang einer ehemaligen Volkspartei. Weiterhin zu wenig Frauen und ein zu altes Gremium. Bemerkenswertes Stühlerücken in anderen Fraktionen. Die Stadtteile sind dagegen trotz oder wegen der Abschaffung der unechten Teilortswahl sehr gut vertreten.
Ergebnisse, Details, Ursachen und Auswirkungen – hier eine Analyse und Einschätzung.

 

Das Wieslocher Ergebnis:

    

 

2019 2014 Differenz Mandate
GRÜNE 27,85 % 25,46 % + 2,39 % 8 (+2)
CDU 20,42 % 23,80 % – 3,38 % 5 (-1)
SPD 16,33 % 18,48 % – 2,15 % 4 (-1)
FWV 17,97 % 15,76 % + 2,22 % 5 (+1)
WGF 6,94 % 6,75 % + 0,19 % 2
FDP 5,02 % 3,40 % + 1,62 % 1
AWL 5,46 % 6,35 % – 0,89 % 1 (-1)

 

Es ist das beste Ergebnis, das wir bei einer Gemeinderatswahl je erzielt haben. Unserem Gewinn von 2 Mandaten stehen Mandatsverluste von CDU, SPD und AWL gegenüber. Die Freien Wähler gewinnen ein Mandat dazu.

Wir haben in Wiesloch ein Spitzenergebnis erzielt, das vor anderen Großen Kreisstädten in unserer Region liegt und an die großen Universitätsstädte heranreicht. Die Fieberkurve der Wieslocher Ergebnisse weist seit 1984 ständig nach oben – egal wie die bundespolitische Stimmung gerade ist. Und die Wähler*innen bleiben bei uns, auch wenn es mal nicht so gut läuft.

Besonders bemerkenswert ist, dass wir zum 2. Mal stärkste Kraft sind und den Abstand auf die CDU auf nun über 7 % ausgebaut haben. Wir haben inzwischen einen Vorsprung von 3 Mandaten vor CDU und FWV. Das sucht seinesgleichen.

Hier zum Vergleich die Grünen Ergebnisse aus den großen Kreisstädte der Umgebung:

Sinsheim              15,84 %    Platz 3
Bruchsal               18,76 %    Platz 2
Schwetzingen     22,84 %   Platz 2
Weinheim            25,80 %    Platz 1
Neckargemünd 26,44 %    Platz 2
Wiesloch            27,85 %    Platz 1

Die Rahmenbedingungen waren 2019 zum ersten Mal seit langem günstig für uns. Die Stimmung war klar pro GRÜN. Aus den Umfragen zur Europawahl weiß man, dass Klimapolitik sowie Umwelt- und Naturschutz wahlentscheidende Themen waren. Da hatten wir auch auf lokaler Ebene einiges zu bieten. Das gestiegene Interesse an der Europawahl hatte eine Zunahme der Wahlbeteiligung von 51 auf 60 % zur Folge.
Dementsprechend gleichen sich die Ergebnisse von Europawahl und Gemeinderat an. Waren es 2014 noch 9 % Unterschied, so war 2019 bei der Europawahl ein deutliches Plus zu verzeichen und die Differenz zur GR-Wahl beträgt nur noch 2 %. Bei den Wahlen zu den Ortschaftsräten zeigte sich dagegen ein durchwachsenes Bild (leichtes Plus in Schatthausen, deutliches Minus und der Verlust eines Sitzes in Baiertal). Bei der Kreistagswahl erzielten die Grünen ebenfalls ein Plus, liegen aber immer noch unter dem Kreisweiten Durchschnitt.

Gemeinderat:                              27,8 %   +2,3 %
Europawahl:                               25,7 %    +9,0 %
Ortschaftsrat Baiertal:             20,1 %    -2,2 %
Ortschaftsrat Schatthausen:   19,8 %   +0,6 %
Kreitagswahl:                             19,2 %    +3,6 %

 

Stadtteilergebnisse

Wir haben unsere Gewinne bei der Gemeinderatswahl vor allem der Kernstadt, Frauenweiler und den Briefwählern zu verdanken. In der Kernstadt sind wir seit 4 Wahlen mit Abstand die stärkste Kraft und haben nochmals deutlich zugelegt. Die Ortsteile Baiertal und Schatthausen weisen dagegen Verluste auf.

2019 2014 Gewinne
Wiesloch 32,63 % 29,46 % + 3,17 %
Frauenweiler 18,90 % 11,23 % + 7,67 %
Altwiesloch 24,94 % 24,60 + 0,34 %
Baiertal 20,14 % 21,82 % – 1,68 %
Schatthausen 18,99 % 19,29 % – 0,30 %
Briefwahl 27,48 % 24,60 % + 2,88 %
Gesamt 27,85 % 25,48 % + 2,39 %

 

Grüne Hochburgen mit hoher Wahlbeteiligung

Die Kernstadt ist inzwischen flächendeckend eine grüne Hochburg. Wir haben vor allem dort herausragende Wahlbezirksergebnisse. Wir sind in allen Wahlbezirken stärkste Kraft. In 11 von 16 Wahlbezirken der Kernstadt liegt der Anteil der GRÜN-WählerInnen über 30 %. Das beste Ergebnis erzielten wir im Wahlbezirk Schillerschule.

Rathaus Bürgerbüro 32,93 %
Palatin 32,21 %
Grundbuchamt 37,55 %
BTZ 31,14%
EnBW 31,55 %
Sparkasse 33,52 %
Gymnasium 36,42 %
Stadtbibliothek 32,16 %
ASB Seniorenzentrum 38,45 %
Festhalle PZN 39,09 %
Schillerschule Aula 40,54 %

Während wir in unseren Hochburgen um 2-3 % zulegten, waren die höchsten Zuwächsen in älteren Gebiete der Stadt zu verzeichnen, wo wir 2014 noch in den 20%-Bereichen lagen.

In Frauenweiler haben wir erfreulicherweise deutlich zugelegt, ebenso leicht in Altwiesloch. In Baiertal und Schatthausen ist das leider nicht so. Die Gründe hierfür sind einer offenen Diskussion wert. Die Aufstellung aller Wohngebietsergebnisse ist auf Anfrage erhältlich.

Gemeinderatswahlen sind Persönlichkeitswahlen

Das wissen wir und davon profitieren wir seit Jahren. Dieses Mal hatten wir im Vorfeld etwas Sorge. Denn wir mußten 2019 auf 2 wichtige Stimmenbringer der 2014er Wahl verzichten: Anna-Lena Gefäller und Kai Schmidt-Eisenlohr hatten vor 5 Jahren zusammen immerhin 10.000 Stimmen erzielt und standen nicht mehr zur Verfügung. Zudem war es dieses Jahr schwierig, genügend Kandidaten im Ortsteil Baiertal zu finden.

Die Sorge war unbegründet. Wir haben 18.200 Stimmen, also um die 900 Wähler*innen hinzugewonnen. Vor allem die amtierenden und wiederkandidierenden Stadträt*innen legten kräftig zu. Besonders hervorzuheben sind die Ergebnisse von Susanne Merkel-Grau, Katharina Ebbecke, Andreas Hecker, Ayfer Celik, Gabi Lachenauer und Klaus Bouchetob, die ihr Ergebnis verdoppelt haben. Wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Genannten gar keine Parteimitglieder sind, so zeigt sich, wie richtig das Konzept einer offenen Liste ist.

Aber auch die Neuen sind mit Ergebnissen von bis zu 4.054 Stimmen (Marion Schmidt) bravourös. Ebenso waren unser drei Youngsters Luisa, Sebastian und Adrian goldwert.

 

In der nachfolgenden Tabelel sind die Einzelergebnisse der Grünen Kandidat*innen sortiert nach der Stimmenzahl augelistet. Falls die Person schon einmal kandidiert hatte, ist ein Vergleich mit dem Vorergebnis angegeben:

2019 zuletzt Zugewinn
Merkel-Grau, Susanne 6.417 4.631 + 1.786
Ebbecke, Katharina 6.052 3.608 + 2.444
Dr. Veits, Gerhard 6.100 5.348 + 752
Hecker, Andreas 5.922 2.562 + 3.360
Celik, Ayfer 4.294 3.174 + 1.120
Schmidt, Marion 4.054
Lachenauer, Gabriela 3.982 2.932 + 1.050
Ueltzhöffer, Luisa 3.144
Sauter, Sebastian 3.022
Bouchetob, Klaus 2.825 1.397 + 1.428
Körner, Theo 2.772 1.794 + 978
Groß, Christine 2.479 1.497 + 982
Grau, Adrian 2.422
Böhler, Michael 2.398 1.604 + 794
Walther, Silke 2.213 1.380 + 833
Dr. Ueltzhöffer, Andreas 2.190 1.380 + 810
Ruland, Genia 2.131 1.161 + 970
Niehoff, Britta 2.010
Hirn, Klaus 1.930 1.445 + 485
Yilmaz, Dinc 1.891
Schult, Friederike 1.806 1.073 + 733
Rohrmann, Karen 1.712
Kummerow, Melanie 1.588 791 + 797
Becker, Pierre 1.428
Klingenfuss, Klaus 1.341 1.063 + 278
Merkhofer, Ernst 1.297

 

Wie wählen Grüne Wähler*innen?

Grün-Wähler*innen wählen stark personenbezogen. Nur 16,5 % der Stimmzettel wurden unverändert abgegeben.
Es gibt eine große Spreizung von 1.297 bis 6.417 Stimmen. Mann oder Frau wählt gezielt aus.
Frauen werden etwas bevorzugter gewählt als Männer. Von allen Stimmen entfielen 54 % auf Kandidatinnen und 46 % auf Kandidaten.
Junge Leute werden stark nach vorne gewählt. Luisa Ueltzhöffer von Platz 11 auf 8, Sebastian Sauter von 14 auf 9 und Adrian Grau von 16 auf 13.
Immer unbedeutender wird dagegen, in welchem Stadtteil man wohnt.

Die von uns mit Plakat und einem eigenen Kandidatenflyer besonders hervorgehobene Spitzengruppe, die die ersten 7 Plätze belegte, wurde komplett mit großem Vorsprung gewählt. Mit 800 Stimmen Abstand folgt Luisa, die das von uns nicht unbedingt erwartete 8. Mandat gewann. Die WählerInnen haben offensichtlich die Orientierungshilfe, die wir geben wollten, verstanden und akzeptiert.

 

Spitzenpersonal

Seit Jahren nehmen die Grünen Spitzenkandidaten die oberen Ränge im Stimmen-Ranking ein. Das ist 2019 noch deutlicher geworden. Es zeigt die große persönliche Zustimmung zu den „Aushängeschildern“ der Wieslocher Grünen. Wir kombinieren bekannte Wieslocher Namen mit vielfältig aktiven Persönlichkeiten.

Hier die Stadträt*innen mit den 10 besten Stimmenergebnissen:

Susanne Merkel-Grau 6.417 Grüne
Dr. Fritz Zeier 6.182 FWV
Dr. Gerhard Veits 6.100 Grüne
Katharina Ebbecke 6.052 Grüne
Andreas Hecker 5.922 Grüne
Richard Ziehensack 5.525 SPD
Ayfer Celik 4.294 Grüne
Jutta Hilswicht 4.128 CDU
Marion Schmidt 4.054 Grüne
Jochen Filsinger 4.025 FWV

Marion Schmidt hat als Neuling ein bemerkenswert gutes Ergebnis erzielt. Ich kam bei meiner ersten Wahl nicht über 3.200 Stimmen hinaus.

 

Frauenanteil weiterhin gering

Nur 9 von 26 Mandaten gingen an Frauen, obwohl gerade CDU und SPD in letzter Zeit viel darüber reden. Aber nur wir hatten den Mut, eine paritätisch besetzte Liste (13 Frauen, 13 Männer) zu präsentieren und die Spitzenplätze an Frauen zu vergeben. Alle Mitbewerber hatten deutlich mehr Männer als Frauen auf der Liste und ausnahmslos männliche Spitzenkandidaten. Das Ergebnis ist nicht verwunderlich:

SPD     4 Mandate, keine Frau
WGF    2 Mandate, keine Frau
FDP     1 Mandat, keine Frau
AWL   1 Mandate, keine Frau
FWV    5 Mandate, 1 Frau
CDU    5 Mandate, 2 Frauen
GRÜNE    8 Mandate, 6 Frauen

Unser Rat an kommunalpolitisch interessierte Frauen: Das nächste Mal bei den Richtigen kandidieren!

 

Junge Kandidat*innen nur bei den GRÜNEN erfolgreich

Junge Leute haben eigentlich nur bei den Grünen Chancen auf ein Mandat. Seit vielen Jahren stellen wir auch immer eine junge Stadtrat/rätin. Nach Kai Schmidt-Eisenlohr (bei der ersten Wahl 21), Jochen Dolderer (bei seiner Wahl 23), Anna-Lena Gefäller (bei ihrer Wahl 24) erzielten nun 2 ganz junge Kandidat*innen ein Spitzenergebnis: Luisa Ueltzhöffer auf Platz 8 (3.144 Stimmen)und Sebastian Sauter auf Platz 9 (3.022 Stimmen). Luisa ist gewählt, kann aber das Mandat nicht annehmen, da sie zwischenzeitlich einen Studienplatz in Tübingen bekommen hat. Dafür rückt Sebastian nach.

Alle Jungen auf der Grünen Liste haben exzellente Ergebnisse erhalten. Auf anderen Listen haben sie es dagegen schwer und niemand ist auch nur in die Nähe eines Mandates gekommen – leider.

Luisa Ueltzhöffer Grüne 3.144
Sebastian Sauter Grüne 3.022
Adrian Grau Grüne 2.422
Sara Lee Holzmeier SPD 2.145
Nina Filsinger FWV 2.192

Auf der von der CDU so hervorgehobenen „jüngsten Liste“ kam keiner von den wirklich Jungen an diese Stimmenzahlen heran.

 

Mit Migrationshintergrund – GRÜN!

Wir Grüne waren viele Jahre lang die einzigen, die überhautp Mitbürger*innen mit Migrationshintergrund auf der Liste und dann im Gemeinderat hatten. Inzwischen sind ausländische Mitbürger*innen auf fast jeder Liste vertreten. Ayfer Celik war die erste Stadträtin mit Migrationshintergrund und ist seit nunmehr 3 Amtsperioden Stadträtin. Sie genießt ausweislich des Wahlergebnisse 2019 ein hohes Ansehen in der Bevölkerung und ist mit einer sehr hohen Stimmenzahl wiedergewählt worden. Aber auch unser zweiter türkischstämmiger Kandidat Dinc Yilmaz hat für seine erste Kandidatur ein sehr gutes Ergebnis erzielt wie die nachfolgende Tabelle zeigt.

Ayfer Celik Grüne 4.294
Dinc Yilmaz Grüne 1.891
Sultan Demir SPD 2.458
Theodoros Tziolas FWV 2.581
Orhan Bekyigit WGF 1.803

 

Ohne unechte Teilortswahl

sind zum 2. Mal die Stadtteile besser vertreten als je zuvor. Wer sich an diese emotionsgeladene und zum Teil sehr unsachliche Auseinandersetzung erinnert, der weiß, dass die Gegner der Abschaffung (vor allem aus Schatthausen) behauptet haben, mit der Abschaffung der unechten Teilortswahl würden es die Ortsteilkandidaten nicht mehr in der Gemeinderat schaffen. Zum zweiten Mal ist nun das Gegenteil eingetreten: Baiertal ist künftig mit 4 von 26 Gemeinderäten (mit uTW 5 von 32), Schatthausen mit 3 von 26 (mit uTW 2 von 32) vertreten. Damit beende ich dieses Thema.

 

Ein Blick über den Tellerrand

Trotz fehlender Konkurrenz am rechten Rand hat die CDU nochmals 3,4 % verloren und ihr schlechtestes Wahlergebnis eingefahren. Die Fraktion ist innerhalb von 3 Wahlen von 11 auf 5 Stadträte mehr als halbiert worden. Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankt die Partei nur noch den konservativ geprägten Stadteilen Baiertal und Schatthausen. Aber auch dort bröckelt die jahrzehntelange Dominanz.

Für meinen Geschmack hatte die CDU im Vergleich zu früheren Jahren personell nicht die stärkste Liste. Dafür waren so manche Platzierungen umso bemerkenswerter. Was macht es für einen Sinn, eine junge Nachrückerin mit großem Tam-Tam in die sehr großen Schuhe einer Fraktionsvorsitzenden zu hieven, um sie dann bei der Listenaufstellung in die zweite Reihe zu stellen? Wenn man weiß, dass die CDU nur noch in den Ortsteilen stark ist und in der Kernstadt keine 16 % mehr zu Stande bringt – und das weiß die CDU – dann bedeutete Platz 5 für Tina Wagner von Anfang an eine Zitterpartie. Ergebnis: Das 6. Mandat ging verloren, die Fraktionsvorsitzende wurde von 3 Stadtteilskandidaten überholt und flog raus.

Bei uns dagegen wurden alle Frauen in der Spitze gut platziert und sind sämtlich wiedergewählt worden. Das war uns auch wichtig.

Die Altwieslocher Liste AWL, die 2014 erstmalig antrat und gleich 2 Mandate erringen konnte, hat einen Sitz verloren. Die AWL hat es vor 5 Jahren geschafft, vor allem konservative Wähler zu gewinnen. Das ist trotz der großen CDU-Verluste 2019 nicht nochmals gelungen. Im Gegenteil: Prozentual hat die AWL vor allem in Altwiesloch selbst verloren. Vielleicht haben einige im Stadtteil bemerkt, dass die bisherigen Vetreter bloß ein Thema hatten, ohne dafür wirklich Lösungen zu präsentieren: Die Verkehrsproblematik und die vor vielen Jahren abgelehnte Umgehungsstraße. Der wiederkandierende Stadtrat Werner Goldschmidt wurde nicht wiedergewählt.

Die SPD hat nochmals 2 % eingebüßt und ein Mandat verloren, obwohl ihr Konkurrenz durch die LINKE  wiederum erspart geblieben ist. Seit der OB-Wahl hat sich die Wieslocher SPD auf eine nicht zu übersehende Integration ins bürgerliche Lager eingelassen. Das reicht von gemeinsamen Anträgen, über offensichtliche Absprachen bis hin zu gemeinsamen Wahlkampfaktionen. Das kommt bei ihren Wähler*innen offensichtlich nicht gut an. Man kann nur hoffen, dass die beiden Neuen in der Fraktion diesen Kurs überdenken.
Der Mandatsverlust war auch durch die Kandidatur eines echten Promis nicht zu verhindern. Die Wahl des ehemaligen MdB Gert Weisskirchen hatte den sicher ungewünschten Nebeneffekt, dass jüngere Kandidaten nicht zum Zuge kamen. Adrian Klare, einer der wenigen jungen Stadträte, wurde auf Platz 9 der Liste nicht wiedergewählt. So stellt die SPD mit Jan Oppenheimer und drei Pensionären die mit Abstand älteste Fraktion.

Profitiert von den Verschiebungen im konservativen Lager haben die Freien Wähler und die FDP.

 

Was ändert sich im Gemeinderat?

Einiges! Diese Wahl setzt den ungebrochenen Aufwärtstrend der Wieslocher Grünen bei Gemeinderatswahlen fort. Unabhängig von bundespolitischen Stimmungen und Trends kann die grüne Arbeit vor Ort immer mehr Menschen erreichen und überzeugen. Das liegt einerseits an der guten Arbeit der Fraktion, aber ganz entscheidend auch an den authentischen Personen, die auf der grünen Liste kandidieren. Wir werten dies als eine Bestätigung unserer Inhalte, aber auch unseres klaren, eigenständigen Politikstils. Wir arbeiten eigenständig und sachbezogen, bewahren uns eine gesunde Distanz zur Verwaltungsspitze und lehnen Küngeleien und Hinterzimmerveranstaltungen konsequent ab.

Die Beurteilung dieser Wahl fällt für uns deshalb durchweg positiv aus. Einerseits ist der nun deutliche Abstand zu den anderen Fraktionen ein klares Zeichen. Andererseits hat sich unser gutes Wahlergebnis dieses Mal auch auf die Mandatsverteilung niedergeschlagen. Darauf haben wir lange gewartet.

Es gab dieses Mal keine Wiesloch spezifischen Wahlkampfthemen. Ich bin mir aber sicher, dass viele Wähler*innen realisiert haben, dass seit der Elkemann-Wahl die große Mehrheit seiner damaligen Unterstützer versucht, grüne Anträge systematisch abzublocken, um unseren Einfluß möglichst gering zu halten. Dass der Oberbürgermeister dabei eine besonders kritikwürdige Rolle einnimmt, haben wir im Rechenschaftsbericht der Fraktion ausführlich dargestellt. Insofern betrachten wir unsere Stärkung und die deutliche Schwächung der Elkemann-Unterstützer auch als Quittung für diese Politik. Ob es alle verstanden haben, bezweifle ich. Ob sich durch das Stühlerücken in den anderen Fraktionen etwas an dem Anti-GRÜN Block ändert, sollen Optimisten beurteilen. Es gibt nach wie vor keine einfachen Mehrheiten im Gemeinderat. Wir bleiben unseren Inhalten und Überzeugungen, aber auch unserer Arbeitsweise treu.

God save the Green!

 

Dr. Gerhard Veits, Juni 2019

P.S.: Ein ganz großer Dank an unseren Grafiker und Mediengestalter Jochen Dolderer, der maßgeblich Anteil an diesem Ergebnis hat.

P.SS.: Über diese Analyse und Einschätzung diskutieren wir öffentlich auf unserem Treffen am 2.7. 20.00 Uhr Cafe Kanapee, Hesselgasse 34.