Wir machen den nächsten konkreten Schritt hin zum Radschnellweg und stellen einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat.  Er wäre ein Quantensprung im Radverkehr um Wiesloch herum und vor allem eine erhebliche Entlastung der Verkehrsströme ins Industriegebiet Wiesloch/Walldorf. Dazu ist er recht günstig zu haben. Was jetzt jedoch nötig ist, ist dass jemand die Sache in die Hand nimmt, die Planung auf Basis der Machbarkeitsstudie erstellt, die Fördermittel beantragt und das Ding baut. Die Rahmenbedingungen sind mehr als günstig. Wir machen dazu konkrete Vorschläge.

Antrag Radschnellverbindung Wiesloch – Heidelberg

Der Gemeinderat beschließt:

  1. Der Gemeinderat nimmt die Machbarkeitsstudie zur Radschnellverbindung Bruchsal – Wiesloch – Heidelberg zustimmend zur Kenntnis.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, die weitere Planung und Umsetzung der Radschnellverbindung im Bereich Wiesloch/Walldorf – Heidelberg anzustoßen und auf eine zeitnahe Realisierung hinzuwirken. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, im Rahmen des Mobilitätspaktes Wiesloch/Walldorf eine gemeinsame Planung und Realisierung mit den anderen Kommunen anzustreben.
  3. Die anteilsmäßig für Wiesloch anfallenden Planungskosten sind für den Haushalt 2020 vorzusehen.
  4. Es wird eine Radverkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben, um die notwendigen Radwegeanbindungen der Stadt Wiesloch an die künftige Radschnellverbindung zu ermitteln und zu planen. Die Verwaltung soll zeitnah Angebote einholen, so dass eine Beauftragung in 2020 erfolgen kann.

 

Machbarkeitsstudie Radschnellverbindung

Die Machbarkeitsstudie für die Radschnellverbindung Heidelberg – Wiesloch/Walldorf – Bruchsal liegt seit Juni 2019 vor. Sie kommt zu dem erfreulichen Ergebnis, dass erhebliche Verkehrsströme mit überschaubaren Kosten aufs Fahrrad verlagert werden können.

Die als Ergebnis vorgeschlagene Trasse Nr. 2 führt von Heidelberg westlich der Bahnlinie durch Kirchheim an Sandhausen vorbei bis zum Bahnhof Wiesloch-Walldorf und weiter nach Frauenweiler. Das Planungsbüro empfiehlt, auf jeden Fall den Abschnitt zwischen Heidelberg und Wiesloch-Walldorf auszubauen, da hier die größten Verlagerungspotenziale zu erwarten sind.

Auf neue Bauwerke wurde im Rahmen der Machbarkeitsstudie weitestgehend verzichtet, stattdessen wird der Radverkehr über bestehende Wege geführt. Für die 14,5 km lange Trasse ergeben sich so Baukosten von 6,2 Mio. €, dafür ließen sich 15.900 pro Tag gefahrene Pkw-Kilometer aufs Fahrrad verlagern.

Die Vorzugstrasse hat viele Vorteile, u.a. eine direkte Verbindung, kurze Reisezeiten, wenig Konflikte, wenige Haltepunkte und bindet die großen Arbeitgeber im Industriegebiet Wiesloch/Walldorf optimal nach Norden und Süden an.

Die vollständigen Unterlagen zur Machbarkeitsstudie finden sich unter:

https://www.m-r-n.com/was-wir-tun/themen-und-projekte/projekte/radschnellwege

Die Machbarkeitsstudie ist bereits sehr detailliert ausgearbeitet und benennt alle wesentlichen Veränderungen, die auf der Strecke notwendig sind. Dagegen waren die erforderlichen Anbindungen der Zentren von Wiesloch und Walldorf nicht Gegenstand der Untersuchung, sondern sind Aufgabe der Kommunen.

Quelle: RP Karlsruhe, Referat 44

Gesetzliche Rahmenbedingung

Die obige Darstellung zeigt die Zuständigkeiten nach dem novellierten Straßengesetz Baden-Württemberg. Danach ist die Baulast, das heißt die Zuständigkeit für Planung, Bau und Unterhalt beim Land dann gegeben, wenn der Radschnellweg eine regionale oder überregionale Verbindungsfunktion innehat und wenn in der Regel mit einem Verkehrspotential von 2.500 Radfahrten pro Tag außerhalb der Ortsdurchfahrten gerechnet werden kann. Eine Baulast der Kommunen liegt dagegen dann vor, wenn eine nahräumige und gemeindeübergreifende Verbindungsfunktion vorliegt und wenn mit einer Verkehrsbelastung von in der Regel mindestens 2.000 Fahrradfahrten pro Tag (Landkreis) bzw. 1500 (Städte und Gemeinden) gerechnet werden kann. Letzteres ist für den Abschnitt zwischen Wiesloch und Leimen der Fall. Nach der Machbarkeitsstudie liegt demnach die Zuständigkeit und der Auftrag zur weiteren Planung und Realisierung bei Kreis und Kommunen.

 

Weiteres Vorgehen

 Das Vorgehen erfolgt analog zum Vorgehen bei kommunalen Straßen, d.h. Beauftragung eines Planungsbüros durch die Stadt/den Kreis, Vorentwurf, Antrag auf Förderung, Realisierung.

Wir möchten ein gemeinsames, aber dennoch zügiges Vorgehen initiieren und halten den Mobilitätspakt Wiesloch/Walldorf für ein geeignetes Gremium, um eine gemeinsame Planungsgruppe aus Kreis, Kommunen und Firmen ins Leben zu rufen.

 

Fördermöglichkeiten

Radschnellverbindungen werden grundsätzlich vom Bund zu 75 % und vom Land zusätzlich mit 12,5 % gefördert. Voraussetzung für die Aufnahme in die Förderung ist das Einhalten der Qualitätsstandards für eine Förderung regionaler Radschnellverbindungen durch das Land. Diese sind hier nachzulesen: https://www.fahrradland-bw.de/radverkehr-in-bw/radschnellverbindungen/qualitaetsstandards-und-musterloesungen/

Nach der Machbarkeitsstudie sind 88 % der Strecke in diesem Standard ausbaubar, so dass mit einer hohen Förderung zu rechnen ist.

Es verbleiben nur 12,5 % bei den Kommunen. Am Strang Wiesloch – Heidelberg wären der Kreis und 6 Städte und Gemeinden beteiligt, so dass die Kosten für Wiesloch überschaubar sein dürften.

Wichtig ist dabei folgendes: Derzeit sind Planungskosten noch nicht zuschussfähig, ab 1.1. 2020 ist dies mit dem neuen LGVFG (Gesetzesentwurf aktuell in Anhörung) voraussichtlich anders.

 

Anbindung der Stadt Wiesloch an die Radschnellverbindung

Die Radschnellverbindung ist der notwendige Backbone des Radverkehrs zum und vom Industriegebiet Wiesloch/Walldorf in Nord-Süd-Richtung. Da er in einigen Kilometern Abstand zu den Stadtzentren verläuft, müssen die Städte und Gemeinden die notwendigen Zubringer und Anschlüsse in Ost-West-Richtung schaffen.

Von Wiesloch aus sollten 3 Anschlüsse geschaffen werden:

  • von Frauenweiler über den Bahnhof zum Radschnellweg
  • aus der Innenstadt über den Bahnhof zum Radschnellweg
  • vom Norden der Stadt über den landwirtschaftlichen Weg nördlich des Dämmelwaldes zum Radschnellweg

Auf allen 3 Trassen sind die Wege grundsätzlich bereits heute vorhanden, jedoch in keinem ausreichenden Ausbauzustand. In Teilbereichen fehlen Verbindungsstücke. Eine weitere Querung von B3/DB im Norden der Gemarkung wäre erstrebenswert und ist zu prüfen.

Als ersten Schritt dazu ist eine verkehrliche Untersuchung in Auftrag zu geben, um Trassen, Ausbauzustand, Kosten zu ermitteln und eine Umsetzungsplanung zu erhalten. Wir hielten es für sinnvoll, das Büro R+T anzufragen, die bereits die Machbarkeitsstudie erstellt hat: R+T Verkehrsplanung GmbH, Julius-Reiber-Straße 17, 64293 Darmstadt, www.rt-verkehr.de

 

Dr. Gerhard Veits

für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen